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Internationales Kolloquium
Freiheit und Verpflichtung
Polen in Europa - Von der Maiverfassung
1791 zur EU-Verfassung

Verfassungen legen die Grundregeln des Verhältnisses zwischen dem Bürger und seinem Staat, zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft fest. Für die Verfassungsbewegungen seit dem 18. Jahrhundert ging es zunächst um die Sicherung von Freiheitsrechten gegenüber dem Herrscher als Souverän, dann um die Sicherung der freiheitlichen Rechte der Nation als Souverän. In diesem Zusammenhang stellten sich vor allem die Fragen: Wer gehört zur Nation? Und wo liegen die Grenzen zwischen den Rechten des Menschen und den Notwendigkeiten eines handlungsfähigen Staates? Diese Fragen können nicht ein für allemal beantwortet werden. Während in vielen Bereichen immer wieder neue, den jeweiligen zeitlichen und örtlichen Gegebenheiten angemessene Lösungen gesucht werden müssen, gibt es doch einen Kanon unveräußerlicher Rechte, die nach gemeinsamer Übereinkunft nicht angetastet werden dürfen. Die Erkenntnis, dass Freiheit ohne Verpflichtung nicht von Dauer ist, Verpflichtung ohne Freiheit aber zur Katastrophe führt, haben die Völker Europas durch viele schmerzhafte Erfahrungen bestätigen müssen. Im ausgehenden 18. Jahrhundert hat die Reformpolitik in Polen die erste geschriebene Verfassung Europas erarbeitet, die Verfassung vom 3. Mai 1791. Sie steht mit dem eindrucksvollen Bemühen, die Zeichen der Zeit zu deuten und eine tragfähige konstitutionelle Grundlage für eine gedeihliche Entwicklung zu schaffen, am Beginn einer historischen Bewegung, die über viele mehr oder minder erfolgreiche Ansätze hinweg zu dem Entwurf einer Verfassung für die Europäische Union geführt hat. Dieses Projekt mag völlig neuartig erscheinen, gedanklich vorbereitet und in zahlreichen Varianten veröffentlicht und diskutiert wurde es schon lange, bevor es überhaupt eine EU gab. Ansichten, Einsichten und Überlegungen zu diesem Jahrhundert-prozess sollen in dem Colloquium besprochen werden.
 
Die Dokumentation des Kolloquiums ist in der Schriftenreihe "Europäischer Dialog der Adalbert-Stiftung" erschienen.
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